Ab dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des EU AI Act für KI-Systeme wie SAP Joule verbindlich, auch wenn der Digital Omnibus die Fristen für Hochrisiko-KI verschoben hat. Viele SAP-Abteilungen schließen aus der Verschiebung durch den Digital Omnibus fälschlicherweise, dass KI-Regulierung generell auf 2027 vertagt sei. Das ist laut KI-Beraterin Helene Dinse von der CubeServ GmbH ein voreiliger Schluss: Die Verschiebung betrifft nur bestimmte Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme, nicht jedoch die Transparenzanforderungen des EU AI Act. Unternehmen, die Joule oder eigene KI-Agenten in Geschäftsprozessen einsetzen, müssen ihre Rolle, ihre konkreten Anwendungsfälle und die daraus folgenden Pflichten bereits jetzt prüfen, um bei Fristbeginn compliant zu sein.
EU AI Act: Was SAP-Kunden bei Transparenz und Datenschutz jetzt konkret beachten müssen
Der Digital Omnibus hat die Fristen für wesentliche Pflichten bei Hochrisiko-KI verschoben. Die Transparenzpflichten des EU AI Act bleiben davon unberührt und greifen für viele Unternehmen bereits ab dem 2. August 2026. Wer SAP Joule oder eigene KI-Agenten in Geschäftsprozessen einsetzt, steht damit früher in der Pflicht, als viele Abteilungen derzeit annehmen.
Der häufigste Irrtum in SAP-Abteilungen
In vielen Unternehmen kursiert die Einschätzung, die KI-Regulierung sei pauschal auf 2027 verschoben worden. Laut Helene Dinse, KI-Beraterin bei der CubeServ GmbH, ist das ein voreiliger Schluss. Der Digital Omnibus verschiebt demnach nur die Anwendung wesentlicher Pflichten für bestimmte Kategorien von Hochrisiko-KI-Systemen, nicht jedoch die gesamte Regulierung. Transparenzpflichten und weitere Anforderungen bleiben zu den ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkten wirksam.
Für operative Teams bedeutet das: Die Frage, welche Rolle das eigene Unternehmen im Sinne des EU AI Act einnimmt, ob als Anbieter, Betreiber oder beides, ist nicht aufschiebbar.
Vier praktische Implikationen für den operativen Alltag
1. Rollenklärung vor Use-Case-Start Bevor ein KI-gestützter Prozess mit Joule oder einem eigenen Agenten in Betrieb geht, müssen Unternehmen ihre rechtliche Rolle im Sinne des EU AI Act bestimmen. Betreiber und Anbieter unterliegen unterschiedlichen Pflichten. Eine nachträgliche Einordnung ist aufwendiger und birgt Compliance-Risiken.
2. Transparenzpflichten konkret umsetzen Ab dem 2. August 2026 gelten Transparenzanforderungen, die unter anderem verlangen, dass Nutzer wissen, wenn sie mit einem KI-System interagieren. Unternehmen, die Joule in Kundenserviceprozessen oder HR-Workflows einsetzen, müssen geeignete Hinweispflichten technisch und organisatorisch verankern.
3. Use-Case-Register aufbauen Dinse empfiehlt, konkrete Einsatzszenarien zu dokumentieren und auf ihre Risikokategorie hin zu prüfen. Ein internes Register der KI-Anwendungen schafft die Grundlage, um Pflichten gezielt zuzuordnen und bei Audits nachweisbar zu handeln.
4. Ethische Leitlinien und Schulungen nicht verschieben Technische Maßnahmen allein reichen nicht. Unternehmen, die bereits eine unternehmensweite KI-Strategie und ethische Leitlinien erarbeitet haben, sind nachweislich besser auf regulatorische Anforderungen vorbereitet. Wer diesen Schritt noch nicht gegangen ist, sollte ihn nicht auf die lange Bank schieben.
Einordnung
Der EU AI Act differenziert stark nach Risikoklassen und Akteursrollen. Die durch den Digital Omnibus gewonnene Zeit für Hochrisiko-KI-Systeme nach bestimmten Anhängen sollte nicht als Signal verstanden werden, Compliance-Maßnahmen generell zu pausieren. Gerade im SAP-Umfeld, wo KI-Assistenten tief in Geschäftsprozesse integriert werden, ist eine frühzeitige Prüfung der jeweiligen Pflichten sinnvoll.
Quellen
Häufige Fragen
Hat der Digital Omnibus die KI-Regulierung auf 2027 verschoben? Müssen wir als SAP-Kunde vorerst nichts tun?
Das ist ein verbreiteter Irrtum. Der Digital Omnibus verschiebt lediglich wesentliche Pflichten für bestimmte Hochrisiko-KI-Systeme. Die Transparenzpflichten des EU AI Act bleiben davon unberührt und gelten ab dem 2. August 2026. Wer jetzt nichts unternimmt, riskiert, diese Frist unvorbereitet zu erreichen.
Welche konkreten Transparenzpflichten gelten ab August 2026 für Unternehmen, die KI-Assistenten wie SAP Joule einsetzen?
Ab dem 2. August 2026 sind Transparenzpflichten nach dem EU AI Act verbindlich. Unternehmen müssen unter anderem offenlegen, wenn Nutzer mit einem KI-System interagieren. SAP-Kunden, die Joule oder eigene KI-Agenten in Geschäftsprozessen einsetzen, sind gehalten zu prüfen, welche Rolle sie im Sinne des AI Act einnehmen, also etwa als Anbieter oder Betreiber, und welche Pflichten sich daraus ableiten.
Wie unterscheidet der EU AI Act zwischen Anbietern und Betreibern von KI-Systemen, und warum ist das für SAP-Kunden relevant?
Der EU AI Act unterscheidet klar zwischen Anbietern, die ein KI-System entwickeln und in Verkehr bringen, und Betreibern, die es in ihren Geschäftsprozessen einsetzen. Für SAP-Kunden ist diese Unterscheidung praktisch bedeutsam: Wer Joule lediglich nutzt, hat andere Pflichten als ein Unternehmen, das eigene KI-Agenten auf Basis von SAP-Technologie entwickelt und intern oder extern bereitstellt. Die genaue Einordnung bestimmt den jeweiligen Compliance-Aufwand.
Was sollten SAP-Abteilungen als ersten praktischen Schritt zur AI-Act-Compliance tun?
Fachleute empfehlen, zunächst eine Bestandsaufnahme aller eingesetzten KI-Lösungen vorzunehmen. Dabei sollten Unternehmen ihre konkrete Rolle im Sinne des AI Act bestimmen, die jeweiligen Use Cases dokumentieren und daraus folgende Pflichten ableiten. Das schließt die Prüfung ein, ob eigene Agenten oder Joule-basierte Prozesse unter Transparenz- oder weitere Anforderungen fallen.
Gelten die Compliance-Pflichten auch für KI-Systeme, die Unternehmen intern entwickeln und nur für eigene Mitarbeitende einsetzen?
Ja, der EU AI Act greift grundsätzlich auch bei intern genutzten KI-Systemen, sofern diese als Hochrisiko-KI einzustufen sind oder Transparenzpflichten auslösen. SAP-Kunden, die eigene KI-Agenten in ihren Geschäftsprozessen betreiben, sollten deren Einstufung sorgfältig prüfen und nicht automatisch davon ausgehen, dass der interne Einsatz von den Pflichten ausnimmt.




